Die ersten Tage mit Deinem neuen Hund

Eingewöhnung des Hundes im neuen Zuhause – mit Ruhe und Verständnis

Die Eingewöhnung vom Hund im neuen Zuhause bedeutet für das Tier oft vor allem eines: Stress. Neue Gerüche, ungewohnte Geräusche, fremde Menschen – all das kann für Hunde, besonders aus dem Auslandstierschutz, eine enorme Reizüberflutung sein. Um die Eingewöhnung deines Hundes im neuen Zuhause möglichst sanft zu gestalten, findest du hier praktische Tipps für die ersten Tage.

So gelingt die Eingewöhnung vom Hund im neuen Zuhause

Damit der Start für alle entspannt verläuft, haben wir dir hier 6 wertvolle Tipps für die ersten Tage und eine sanfte Eingewöhnung deines Hundes im neuen Zuhause zusammengestellt:

1. Überforderung vermeiden - Warum weniger am Anfang mehr ist

Dein Hund braucht in den ersten Tagen vor allem eines: Ruhe und Sicherheit. Zu viele Reize auf einmal können zu Überforderung und Stressreaktionen führen, die sich negativ auf Verhalten und Gesundheit auswirken.

Empfehlungen für die erste Woche:

  • Kein Besuch.
  • Keine langen Spaziergänge oder Ausflüge. Der eigene Garten oder eine ruhige Grünfläche genügen anfangs vollkommen.
  • Keine Tierarztbesuche, außer in Notfällen.
  • Kein Training, außer zur Deckung der Grundbedürfnisse (Füttern, Gassi gehen).
  • Keine reizstarken Orte wie Einkaufszentren oder Märkte.

Stress zeigt sich bei jedem Tier unterschiedlich. Während der Eingewöhnung vom Hund im neuen Zuhause ist es wichtig, auf kleine Signale wie Hecheln oder Ruhelosigkeit zu achten, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Mögliche Symptome von Stress beim Hund sind:

  • Hecheln, vermehrtes Speicheln, Zittern
  • Durchfall oder Erbrechen
  • Rückzug oder Ruhelosigkeit
  • Überdrehtes Verhalten, z. B. ständige Spielaufforderungen, „nicht zur Ruhe kommen“
  • Knurren und Abschnappen

Was hilft?

  • Einen festen Rückzugsort einrichten (z. B. ruhiger Raum, Box, Decke) – auch deine eigenen Hunde dürfen dort nicht hin
  • Klare Tagesstruktur und Rituale zur Orientierung schaffen
  • Sanfte Ansprache, vorsichtiger Körperkontakt (nicht aufzwingen)
  • Beobachten statt bewerten: Verhalten nicht überanalysieren, Raum zum Ankommen geben

In der ersten Woche berichten viele Adoptant:innen von Durchfall beim Hund. Das ist meist kein Grund zur Sorge und oft auf harmlose Ursachen zurückzuführen.

 

Häufige Ursachen:

  • Stressbedingte Magen-Darm-Reaktionen („Stresskolitis“)
  • Plötzliche Futterumstellung oder zu hochwertiges Futter
  • Parasitenbefall (z. B. Giardien, Kokzidien, Würmer)
  • Wasserwechsel (Mineralstoff- und Bakterienzusammensetzung abweichend)
  • Infekte oder Vorerkrankungen (selten, aber möglich)

 

Was tun?

  1. Ruhe bewahren. Leichter Durchfall klingt oft nach 1–2 Tagen ab.
  2. Futter reduzieren oder für 12–24 Stunden pausieren (nur Wasser anbieten).
  3. Danach Schonkost geben:
  4. Drei Tage Kotproben sammeln (Sammelprobe) und vom Tierarzt untersuchen lassen.
  5. Keine Medikamente ohne tierärztliche Rücksprache! Humanmedizin kann schaden.

 

Wann zum Tierarzt?

  • Wenn der Durchfall länger als drei Tage anhält
  • Wenn Fieber, Apathie, Erbrechen oder Blut im Kot auftreten
  • Bei sehr jungen, alten oder geschwächten Tieren früher handeln

Eine schrittweise Futterumstellung ist ein zentraler Bestandteil einer stressfreien Eingewöhnung vom Hund im neuen Zuhause, da der Magen-Darm-Trakt oft sehr sensibel auf die neuen Umstände reagiert.

Besonders bei Hunden aus dem Ausland ist der Verdauungstrakt oft sehr empfindlich. In ihrer Herkunftsregion wurden sie teils mit sehr einfacher Nahrung versorgt (z. B. Brot, Reis, Essensreste, minderwertiges Trockenfutter), sodass sie hochwertiges Futter anfangs schlecht vertragen.

Grundsätze zur Fütterung in den ersten Wochen:

  • Gleiches Futter wie in der Pflegestelle (falls vorhanden) weiterfüttern
  • Neue Sorten langsam untermischen, Schritt für Schritt umstellen (7–10 Tage)
  • Lieber 3–4 kleine Portionen pro Tag statt großer Mahlzeiten
  • Sensitives Nass- oder Trockenfutter mit leicht verdaulicher Proteinquelle wählen (z. B. Lamm,)
  • Auf Zusatzstoffe, Getreide und Fettgehalt achten

Warum BARF am Anfang keine gute Idee bei Auslandshunden ist:

  • Der Verdauungstrakt ist auf rohes Futter nicht vorbereitet, es fehlen Enzyme um dies richtig zu verwerten – Schmerzen, Erbrechen und Durchfall sind vorprogrammiert
  • Zusätzlicher Stress für ein ohnehin geschwächtes Immunsystem
  • Parasitenbehandlungen sollten abgeschlossen und der Gesundheitszustand stabil sein

Falls langfristig BARF geplant ist, sollte eine Umstellung frühestens nach mehreren Wochen erfolgen.

Gerade in der Anfangszeit ist Sicherheit das oberste Gebot:

  • Spaziergänge nur in reizarmer Umgebung (kein Wildpark, keine Hauptstraßen)
  • Doppelte Sicherung: Sicherheitsgeschirr + Halsband, beide mit Karabiner gesichert
  • Keine Flexileinen verwenden – sie bieten keine Kontrolle in Gefahrensituationen
  • Schleppleine erst nach Aufbau von Bindung und Rückruf
  • Kein Freilauf in den ersten Wochen!
  • Hund bei TASSO ummelden (Vorbesitzer: HUCIN Hunde & Co. in Not e.V.)
  • Haftpflichtversicherung abschließen
  • Krankenversicherung abschließen

Abschließender Hinweis: Jeder Hund ist individuell. Manche brauchen wenige Tage, andere Wochen oder Monate, um anzukommen. Gib deinem neuen Familienmitglied die Zeit, die es braucht, und hol dir bei Bedarf frühzeitig professionelle Unterstützung. Wir begleiten dich gern auf diesem Weg.

Doppelte Sicherung: So geht's richtig!

Gerade in den ersten Tagen kann dein Hund leicht erschrecken und im schlimmsten Fall versuchen, sich loszureißen. Damit er in solchen Momenten nicht entkommt, ist die doppelte Sicherung besonders wichtig.

Dabei werden zwei Leinen verwendet: Eine Leine wird am Sicherheitsgeschirr befestigt und zusätzlich am Menschen gesichert – zum Beispiel mit einem Bauchgurt oder indem man sie sich um die Hüfte bindet. Die zweite Leine wird am Halsband befestigt und ganz normal in der Hand gehalten, um den Hund zu führen.

So ist dein Hund an zwei Punkten gesichert. Sollte sich eine Verbindung lösen, bleibt immer noch die zweite bestehen – das gibt Sicherheit und schützt vor gefährlichen Situationen.

Zeit und Ruhe für die Eingewöhnung vom Hund im neuen Zuhause

Die ersten Tage mit deinem neuen Hund sind ein besonderer Moment – für dich und für ihn. Doch gerade die Eingewöhnung im neuen Zuhause ist oft geprägt von Stress, Unsicherheit und Reizüberflutung. Mit Ruhe, klaren Strukturen und einem geschützten Rückzugsort hilfst du deinem neuen Familienmitglied, sich sicher zu fühlen.

Vermeide in der Anfangszeit Überforderung, gib dem Verdauungstrakt deines Hundes Zeit zur Umstellung und denke an organisatorische Schritte wie die Ummeldung bei TASSO. Sicherheit beim Gassigehen ist besonders wichtig: eine doppelte Sicherung kann Leben retten.

Denk immer daran: Jeder Hund tickt anders. Manche brauchen wenige Tage, andere Wochen oder Monate, um wirklich anzukommen. Geduld, Empathie und ein liebevoller Blick auf die individuellen Bedürfnisse schaffen die Basis für ein vertrauensvolles Miteinander. Und genau das ist der Anfang eurer gemeinsamen Geschichte.

Gib deinem Hund die Zeit, die er braucht, und überfordere ihn nicht mit Erwartungen. Wenn du Fragen hast oder Unterstützung brauchst, melde dich gerne bei uns – wir begleiten dich auf jedem Schritt eurer gemeinsamen Reise.

(Auslands-) Hunde: Wann sollte ich umgehend zum Tierarzt ?

Dein Pflegi oder neues Familienmitglied ist endlich bei dir angekommen, doch nun hat er Durchfall, hustet oder kratzt sich? Hier drei oft gestellte Fragen:

Wann ist ein sofortiger Tierarztbesuch notwendig?

Notfälle:

Dein (Pflege-)hund zeigt einer diese Symptome? Dann ab zum Tierarzt!

  • Dein Hund ist apathisch oder kaum ansprechbar
  • Er hat Atemnot oder sichtbare Schwierigkeiten beim Atmen
  • Es sind offene oder schwere Verletzungen erkennbar
  • Er zeigt deutliche Anzeichen von starkem Schmerz oder erheblichem Unwohlsein

Bei welchen Symptomen, warte ich erstmal ab?

Keine Notfälle:

  • Lecken der Pfoten (oft stressbedingt oder durch Futterumstellung)
  • Rötung der Augen (meist Reaktion auf Stress oder neue Umwelteinflüsse)
  • Verschmutzte Ohren (oft durch lange mangelnde Pflege oder Stress)
  • Kleine Kratzer oder geschwollene Zeckenstiche
  • Durchfall (nicht sofort ein Notfall – siehe unten)
  • Lahmheit oder unrunder Gang (die Hunde kommen nach einer 2–3-tägigen Transportfahrt an – Bewegung, Muskulatur und Koordination müssen sich erst entwickeln)
  • Husten mit oder ohne Auswurf (oft der sogenannte „Trapo-Husten“ – verursacht durch die Klimaanlage im Transporter. Klingt oft schlimmer als er ist. Ein gängiges Hausmittel: Kinder-Hustensaft aus der Apotheke.)

Was tu ich, wenn ich unsicher bin?

Melde dich bei uns!

Du bist dir unsicher, warum dein (Pflege-)Hund sich anders verhält, als du erwartet hast?
Wieso er so viel hechelt, sich nicht löst oder Blut im Kot hat.

Gemeinsam besprechen wir die Situation, greifen auf viele Jahre Tierschutzerfahrung zurück und überlegen, ob der Gang zum Tierarzt oder ein Hausmittel der nächste Schritt sein sollte.

Du hast noch Fragen zur Eingewöhnung deines Hundes im neuen Zuhause? Wenn du dir unsicher bist oder etwas unklar ist: Melde dich gerne bei uns unter info@hucin.de oder sprich deine Vermittlerin direkt an. Wir sind für dich da!

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