Vermehrerhunde erkennen:
Warum ein bewusster Hundekauf Leid verhindert

Wer ein neues Familienmitglied sucht, sollte Vermehrerhunde erkennen können, denn es gibt eigentlich schon genug Hunde auf dieser Welt. Eigentlich müssten keine weiteren produziert werden.

Doch das ist Theorie. In der Praxis wünschen sich viele Menschen bestimmte Rasseeigenschaften, etwa nicht haarend oder jagdlich geeignet – und die Nachfrage bestimmt den Markt. Problematisch wird es, wenn Ungeduld ins Spiel kommt: Seriöse Zucht braucht Zeit, Vermehrung liefert sofort.

Damit Sie beim Welpenkauf nicht unwissentlich Tierquälerei unterstützen, ist es wichtig, Vermehrerhunde erkennen zu können. So entsteht ein Markt, der auf dem Leid von Elterntieren und Welpen basiert. Da Anbieter immer professioneller auftreten und mit falschen Angaben sowie gefälschten Papieren täuschen, wird es immer schwieriger, Vermehrerhunde zu erkennen. Deshalb wollen wir aufklären – um einen seriösen und bewussten Hundekauf zu ermöglichen.

Und nicht vergessen: Auch im Tierschutz gibt es viele Rassehunde – manchmal braucht es nur Geduld. Mit dem richtigen Wissen lassen sich Vermehrerhunde sicher erkennen und ein verantwortungsvolles neues Zuhause schenken.

Was ist ein Vermehrer und wie lässt er sich erkennen?

Vermehrer halten Elterntiere ausschließlich zum Zweck der Welpenproduktion. Die Maximierung des Profits steht dabei klar über dem gesundheitlichen und psychischen Wohl der Tiere. Tierärztliche Versorgung, Wesensfestigkeit und verantwortungsvolle Aufzucht spielen kaum eine Rolle.
Wichtig: Nicht jede Person, die Welpen verkauft, ist automatisch ein Vermehrer. Deshalb unterscheiden wir bewusst zwischen verschiedenen Formen der Hundezucht. Für uns gibt es grundsätzlich nur zwei ethisch vertretbare Wege: Tierschutz oder seriöse Zucht (siehe Checkliste).

Hobbyzucht & „Ups-Würfe“

In der Hobbyzucht fehlt oft Fachwissen. Elterntiere werden ohne Gesundheits- oder Wesensprüfung bewusst verpaart, häufig aus optischen Gründen. Ups-Würfe entstehen durch mangelnde Verantwortung, wenn es unbeabsichtigt zur Deckung kommt. Die Sozialisierung der Welpen ist in beiden fallen aufgrund von fehlendem Wissen unzureichend oder unkontrolliert, medizinische Probleme bleiben oft unentdeckt. Das Ergebnis sind nicht selten kranke oder verhaltensauffällige Hunde.

Züchter – nicht automatisch seriös

Die Mitgliedschaft in einem Zuchtverband garantiert keine Seriosität. Es gibt keine gesunden Qualzuchten, dennoch werden auch im Zuchtverband weiterhin kranke Hunde verpaart z.B. Charles King oder Mops, oft zugunsten bestimmter äußerer Merkmale. Inzucht und Linienzucht sind verbreitet.
Aber: Es gibt verantwortungsvolle Züchter, bei denen Hunde Familienmitglieder sind, die Aufzucht bewusst erfolgt, medizinische Versorgung selbstverständlich ist und die Vermittlung mit Verantwortung und Sorgfalt geschieht. Wenn Züchter, dann nur aus solchen Zuchtstätten. Unser Checkliste hilft dir, diese zu erkennen.

Was du mit dem Kauf eines Vermehrerwelpen unterstützt

Der Verkauf der Welpen besiegelt das Leid der anderen Tiere – solange Geld reinkommt, wird es immer weitergehen. Vermehrertiere sind keine Familienmitglieder, werden medizinisch oft nicht versorgt, kennen keine Spaziergänge und leben nur, um Welpen in die Welt zu setzen. Ein Leben, bei dem die Gesundheit dem maximalen Profit untergeordnet ist. Mit dem Kauf eines Hundes von Vermehrer:innen unterstützt du unter anderem folgendes Leid: 

Sie war voller Läuse und Flohkot, ihr Fell getränkt in ihre eigenen Exkrementen.

Die Risiken für deinen Welpen

Welpen sollten insbesondere in ihren ersten Lebenswochen positive Erfahrungen mit Menschen, anderen Tieren und der Umwelt machen. Was sie keinesfalls sollten: in einem Verschlag ohne medizinische Versorgung die Milch einer völlig ausgehungerten Hündin trinken und viel zu früh von ihr getrennt werden. Diese Welpen sind kalkuliert krank und dienen nur dazu, für viel Geld verkauft zu werden.

Vermehrerhunde erkennen: Pudel eingeperrt in Dreck
Bindungsstörungen durch zu frühe Trennung
  • Fehlende Prägung durch Mutterhündin und Wurfgeschwister
  • Erhöhtes Risiko für: Beißhemmungsprobleme, Stress- und Frustrationstoleranzstörungen, Trennungsangst, soziale Unsicherheit gegenüber Artgenossen
  • Zu wenig Muttermilch in den ersten Lebenswochen
  • Geschwächtes Immunsystem als Folge = erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
  • Früher oder plötzlicher Tod
  • Fehlende oder unvollständige Impfungen führen zu hohem Risiko für Parvovirose, Staupe und andere hoch ansteckende Krankheiten
  • Nicht selten ein früher, qualvoller Tod trotz tierärztlicher Behandlung

Hinweis: Oft sind die abgebene Welpen jünger als angegeben, welches zudem die Sterberate im “neuem Zuhause” erhöht und dazu dient, damit z.B. Pudel als Teacup ausgeschrieben werden können.

Merkmale eines Vermehrers

Vermehrer werden immer “professioneller” – schon lange ist ein Vermehrer nicht mehr gleichzusetzen mit dem Kofferraumverkauf. Es werden Wohnungen angemietet, falsche Hunde als Elterntiere ausgegeben, Impfungen gefälscht und Käufer:in getäuscht.

Die folgende Liste ist eine Ansammlung von potenziellen Indizien. Sollte eines oder mehrere zutreffen, sollte unbedingt Abstand von dem Kauf genommen werden – egal wie süß der Welpe ist. Ein Kauf solcher Welpen unterstützt das perfide Geschäftsmodell der Vermehrer, das Leid der Vermehrertiere und finanziert das Leid weiterer Hunde.

Checkliste: So kannst du Vermehrerhunde erkennen

Bei einer seriösen Zucht, sollte keiner dieser Punkte abgehakt werden!

Elterntiere

  • Welpen und Elterntiere haben keinen Bezug zu dem angeblichen Züchter
  • Keine Gesundheits­nachweise der Elterntiere
  • Elterntiere sind nicht vor Ort
  • Elterntiere zeigen keinen Bezug zu den Welpen
  • Elterntiere passen optisch nicht zu den Welpen (trotz „gleicher Rasse“)

Zuchtpraxis

  • Verpaarung auf rezessive Gene oder extreme körperliche Merkmale
  • Verpaarung von Qualzuchten (es gibt keine seriöse Qualzuchtzucht, da es keine gesunden Qualzuchten gibt)
  • Hündin wird bei jeder Läufigkeit gedeckt

Aufzucht & Haltungsbedingungen

  • Welpen wachsen nicht im häuslichen Umfeld auf
  • Haltung im Schuppen, Keller, Garage o. Ä.
  • Welpen sind sehr ängstlich
  • Auffälliger Geruch vor Ort (stark nach Urin/Kot oder extrem desinfizierend)

Besuch & Übergabe

  • Welpen werden beim ersten Besuch direkt mitgegeben/ Druck sich zu entscheiden
  • Welpen können vor der 8. Woche nicht besucht werden
  • Treffen sollen auf Parkplätzen, Raststätten o. Ä. stattfinden
  • Unklare oder wechselnde Aussagen zur Herkunft der Welpen
  • Ausreden, warum „Tante / Onkel / Oma“ gerade vor Ort sind

Gesundheit, Chip & Unterlagen

  • Kein Impfpass vorhanden
  • Ausländischer Impfpass ohne nachvollziehbare Herkunft
  • Welpen sind nicht gechippt
  • Chipnummer beginnt nicht mit 276… und Herkunft wird nicht erklärt
  • Keine tierärztlichen Nachweise

Umgang mit Interessenten

  • Kein Interesse an eurer Lebenssituation
  • Keine Fragen zu Erfahrung, Zeit oder Alltag
  • Druck, schnell zu entscheiden („Viele Interessenten“)

Verkauf & Vermarktung

  • Verkauf mehrerer Rassen gleichzeitig( insb. Trendrassen)
  • Mehrere Würfe parallel inseriert
  • Anzeigen auf Kleinanzeigen, Quoka & Co. in großer Zahl

Checkliste herunterladen

Lade dir hier unsere Checkliste für den nächsten Hundekauf herunter und nimm die Liste mit zum Termin, um im Eifer der Gefühle nichts zu übersehen.

Als sie ankam, hat sie unseren Papiermüll gefressen, denn sie hielt es für ein Buffet.

Vorgehen, wenn du einen Verdacht hast

Solltest du einen oder mehrere Punkte der Checkliste, wie du Vermehrerhunde erkennen kannst, abhaken können, ist das Wichtigste: Kaufe dort keinen Welpen. Nicht jede unseriöse Zucht ist illegal – das Tierschutzgesetz ist an vielen Stellen leider sehr vage. Viele Praktiken sind jedoch unfair gegenüber Elterntieren und Welpen und sollten nicht unterstützt werden.

  • Kaufe keinen Welpen. Auch wenn es sich in schlechten Umständen richtig anfühlt, „zu helfen“ – genau dieser Kauf hält das Geschäftsmodell der Vermehrer am Laufen.
  • Mache nach Möglichkeit Fotos und Videos von Welpen, „Elterntieren“ und den Haltungsbedingungen.
  • Fahre nach Hause und recherchiere das zuständige Ordnungs- oder Veterinäramt am Wohnort der verkaufenden Person.
  • Verfasse eine möglichst ausführliche schriftliche Meldung, warum du von Vermehrung ausgehst, und sende sie an das zuständige Amt. Gerne helfen wir dir dabei.
  • Zusätzlich kannst du das Amt telefonisch kontaktieren und deine Beobachtungen schildern – wichtig ist, dass immer auch eine schriftliche Meldung erfolgt.
  • Übrigens: Eine Meldung kann auch anonym erfolgen.

Augen auf beim Hundekauf: So machst du es richtig

Du möchtest verantwortungsvoll ein neues Familienmitglied aufnehmen? Dann ist der wichtigste erste Schritt zu verstehen, welcher Hund wirklich zu dir passt – nicht, welcher dir optisch gefällt.

  • Überlege dir, welche Charaktereigenschaften dir wirklich wichtig sind.
  • Hol dir Unterstützung, um den passenden Hund zu finden: Trainer:innen und Tierschutzvereine bieten unabhängige Beratungen an. – Achtung: Google ist hier keine geeignete Quelle – dort gilt fast jede Rasse als „anfängerfreundlich“.
  • Entscheidest du dich bewusst gegen den Tierschutz und für einen Rassewelpen vom Züchter, nimm deine Checkliste mit und achte darauf, dass alle positiven Kriterien erfüllt sind und keine Warnzeichen auftreten. Züchter kannst du auch online recherchieren und anschreiben – sie beraten dich auch ohne aktuellen Wurf ehrlich zur Rasseeignung und Planung.

Wichtig: Halte Abstand von Züchtern mit mehreren Rassen oder Werbung für „gesunde“ Qualzuchten und Teacup-Größen. Diese sind immer unseriös – unabhängig vom professionellen Auftritt.

Auch wenn du keinen älteren Hund oder Mischling möchtest, lohnt sich der Blick in den Tierschutz: Besonders in Tierheimen und Inlandsvereinen gibt es immer wieder auch (Rasse-)Welpen.

Noch Fragen zum Thema?

Wenn du unsicher bist oder dir etwas unklar ist: Melde dich gerne bei uns unter info@hucin.de oder sprich deine Vermittlerin direkt an. 

Hinweis: Diese Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengestellt, stellen jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ähnliche Artikel